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Die Operation - Was passiert da?

Warum muss operiert werden?

Ein Leistenbruch bildet sich spontan nicht mehr zurück (allenfalls in den ersten 2-3 Monaten nach der Geburt). Auch wenn sich der Bruchinhalt in die Bauchhöhle zurückschieben (reponieren) lässt, wird der Bruch dadurch nicht geheilt und bleibt weiter bestehen.

Da Kinder oft erst relativ spät Beschwerden haben, können schnell und zunächst unbemerkt ernsthafte Komplikationen auftreten:

Bei einer Einklemmung des Darmes entstehen innerhalb weniger Stunden schwere Durchblutungsstörungen der Darmwand, die dann abstirbt. Darmverschluss und Bauchfellentzündung sind die lebensbedrohlichen Folgen.

Bei Mädchen kann ein eingeklemmter Eierstock nachhaltig geschädigt werden

Ein Wasserbruch kann sich manchmal allmählich zurückbilden, wenn die offene Verbindung zur Bauchhöhle verklebt. Die Flüssigkeit kann durch eine Punktion entleert werden, wobei aber die Gefahr von Verletzungen des Hodens, von Blutungen oder von Infektionen besteht; meistens kommt es im Verlauf aber wieder zu neuen Flüssigkeitsansammlungen.


Wann sollte operiert werden?

Wegen der immer bestehenden Gefahr einer Einklemmung sollte ein Leistenbruch möglichst bald nach seiner Feststellung operiert werden. Lässt sich der Bruchinhalt nicht in die Bauchhöhle zurückschieben, muss sofort operiert werden!

Die Operation eines Wasserbruches ist in der Regel nicht dringlich. Sie ist aber empfehlenswert bei erheblicher oder rasch zunehmender Größe oder bei Ausdehnung bis in den Leistenkanal.
 

Wie wird die Operation durchgeführt?

  • herkömmliche („konventionelle") offene Operationstechnik:
    Bisher wurde über einen Hautschnitt in der Leiste der Leistenkanal eröffnet, der Bruchsack vom Samenstrang, den Hodengefäßen oder vom Mutterband gelöst und abgetragen und zur Bauchhöhle hin mit einer Naht verschlossen. Der eröffnete Leistenkanal wurde wieder mit Nähten verschlossen und anschließend die Haut genäht. Bei beidseitigen Brüchen war ein Schnitt in beiden Leisten erforderlich, meistens als zwei getrennte Operationen in zeitlichem Abstand.
  • laparoskopische Operationstechnik:
    Wir bieten seit einiger Zeit ein neues Operationsverfahren an, die laparoskopische Herniorraphie - die Versorgung eines Leistenbruches oder Wasserbruches über eine Bauchspiegelung. Die laparoskopische oder Bauchspiegelungstechnik wird bei vielen anderen Erkrankungen (Gallenblasen-, Blinddarmentfernung, Leistenbruch beim Erwachsenen, Sodbrennen und verschiedene andere Operationen an Magen, Darm, Milz) seit Jahren erfolgreich angewendet und hat hierbei die herkömmlichen Operationen durch große Bauchschnitte weitgehend ersetzt Bei der laparoskopischen Leistenbruchoperation beim Kind wird der Bruchsack von der Bauchhöhle aus mit einer Naht verschlossen, was zum gleichen Ergebnis führt wie die bisherige Operationstechnik. Allerdings ist das neue Verfahren schonender als die Operation über einen Leistenschnitt und die Versorgung beidseitiger Leistenbrüche ist ohne zusätzliche Schnitte oder gar eine zweite Operation problemlos möglich.

Dieses Operationsverfahren eignet sich für Kinder ab dem ca. 6. Lebensmonat bis zum ca. 11. Lebensjahr. Bei sehr adipösen oder deutlich älteren Kindern scheint das herkömmliche Verfahren sicherer zu sein.
 

Operationsablauf:

Der Eingriff erfolgt immer in Vollnarkose!

Über einen winzigen Schnitt im Nabelgrübchen wird eine Videokamera (5 mm Durchmesser) in die Bauchhöhle eingebracht. Beide Leisten und der gesamte übrige Bauchraum werden genau untersucht. Zum Verschluss des Leistenbruches werden zwei weitere Instrumente (2 mm Durchmesser) eingeführt, die Lücke in der Leiste wird mit einer Naht verschlossen (ebenso ggf. auch die Lücke in der anderen Leiste). Die winzigen Wunden in der Bauchdecke werden nicht genäht, sondern mit einem Hautkleber verschlossen. Es müssen später keine Fäden gezogen werden! Bei überraschenden, sehr komplizierten Befunden oder bei Zwischenfällen kann es erforderlich sein, von der Bauchspiegelung Abstand zu nehmen und auf die herkömmliche Operationsmethode mit einem Schnitt umzusteigen. Beispielfotos finden Sie im Kapitel Ärzteinfo.

Mögliche Zwischenfälle („Komplikationen") bei der Operation:
Trotz aller Sorgfalt kann es bei der Operation in seltenen Fällen zu Zwischenfällen kommen, die meist sofort erkannt und entsprechend behandelt werden:

Verletzungen durch die eingeführten Instrumente, z.B. an Blutgefäßen, Nerven oder am Darm, an Hoden oder Samenleiter oder an den Eierstöcken. Evt. ist die sofortige Eröffnung der Bauchhöhle durch einen Bauchschnitt zur Versorgung der Verletzung erforderlich.

Stärkere Blutungen, die eine Übertragung von Blut oder Blutbestandteilen erfordern können. Sehr selten kann es danach zu Infektionen mit Hepatitis-Viren oder zu einer HIV-Infektion kommen. Druckschäden an Nerven oder an Weichteilen treten sehr selten durch die Lagerung auf dem Operationstisch auf. Sie bilden sich meistens innerhalb mehrerer Wochen zurück und hinterlassen nur ganz selten bleibende Schäden, z.B. Taubheitsgefühl oder Narben. Das gilt auch für Hautschäden durch Desinfektionsmittel.
 

Mögliche Störungen nach der Operation:

Auch nach der Operation können manchmal Komplikationen auftreten:

  • Harnsperre: In den ersten Stunden nach der Operation kann das Kind Schwierigkeiten haben, Wasser zu lassen. Selten kann es erforderlich werden, die Blase mit einem kleinen Katheter zu entleeren.
  • Infektionen der winzigen Einstichstellen treten nur sehr selten auf und sind auch weit weniger schwerwiegend als bei den größeren Hautschnitten der herkömmlichen offenen Chirurgie.
  • Hautschwellungen oder Hautknistern können als Folge des in die Bauchhöhle eingebrachten CO2-Gases auftreten. Das Gas wird innerhalb weniger Stunden abgebaut und hinterlässt keine bleibenden Schäden.
  • Gasembolie: Extrem selten kann Gas aus der Bauchhöhle in Blutgefäße übertreten und dann den Blutkreislauf behindern und gefährden; in diesem Fall wären intensivmedizinische Maßnahmen erforderlich.
  • Hodenschädigung: Nach Verletzungen von Blutgefäßen, Einengung des Samenstranges oder infolge von Vernarbungen kann der Hoden schrumpfen oder sogar absterben. Bei gleichzeitiger Schädigung beider Hoden oder Samenleiter kann eine Zeugungsunfähigkeit entstehen. Diese Risiken bestehen bei der herkömmlichen Operationsmethode aber sogar noch in größerem Maße.
  • Nervenschädigung: Am Rand der Bauchwandlücke, die mit der Naht verschlossen wird, können Nerven liegen. Ihr genauer Verlauf ist fast bei jedem Menschen anders und kann nicht immer exakt festgestellt werden. Es kann daher durch die Naht zu einer Funktionsstörung des Nerven kommen (Schmerzen, Taubheitsgefühl), wobei die Beschwerden meistens innerhalb weniger Wochen von selbst wieder verschwinden. 
  • Rezidive: Auch nach der neuen Operationstechnik können Leistenbrüche oder Wasserbrüche erneut auftreten (sog. „Rezidive"). Nach dem gegenwärtigen Stand der medizinischen Erkenntnis scheint dies aber seltener aufzutreten als bei der herkömmlichen offenen OP-Technik.

Die genannten Komplikationen können Nachoperationen und weitere Behandlungsmaßnahmen erfordern.